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6 Min. Lesezeit Von Lukas Berger

TPMS richtig interpretieren: Wenn der Reifendruck zur Sicherheitsfrage wird

Reifendruckkontrollsystem TPMS Diagnose am Fahrzeug, Titelbild 1200x675 Pixel

Unterdrückter Reifendruck ist eine der am häufigsten unterschätzten Gefahrenquellen im Straßenverkehr. Seit November 2014 müssen Neufahrzeuge in der EU mit einem Reifendruckkontrollsystem (TPMS) ausgerüstet sein — doch viele Autofahrer wissen nicht, was die Warnleuchte wirklich bedeutet und wann sie handeln müssen.

Wie TPMS-Systeme funktionieren

Es gibt zwei Haupttypen: direkte und indirekte Systeme. Direkte TPMS verwenden Sensoren in jedem Reifen oder am Ventil, die den Druck und oft auch die Temperatur messen und per Funk an das Steuergerät senden. Indirekte Systeme nutzen ABS-Radsensoren und vergleichen Umdrehungsgeschwindigkeiten — ein Reifen mit niedrigem Druck hat einen kleineren Rollumfang und dreht sich schneller.

Direkte Systeme liefern präzisere Werte, benötigen aber wartungsintensive Sensoren mit Batterien, die nach etwa fünf bis sieben Jahren ersetzt werden müssen. Indirekte Systeme sind wartungsarm, reagieren jedoch langsamer und können Fehlalarme auslösen, wenn Reifen unterschiedlich abgenutzt sind.

Warum Warnungen oft zu spät kommen

Die meisten TPMS-Systeme warnen erst, wenn der Druck um etwa 25 Prozent unter dem Sollwert liegt. Bei einem langsam entweichenden Reifen — etwa durch einen eingefahrenen Nagel — kann das Wochen dauern. In dieser Zeit steigt der Kraftstoffverbrauch, die Bremswege verlängern sich und das Aquaplaning-Risiko wächst erheblich.

  • Langsamer Druckverlust wird vom System oft erst spät erkannt
  • Wechsel zwischen Sommer- und Winterreifen erfordert Neuanlernen der Sensoren
  • Defekte Sensoren können die Warnleuchte dauerhaft aktivieren
  • Kalte Temperaturen senken den Druck und lösen Scheinalarme aus

Manuelle Kontrolle bleibt unverzichtbar

Experten empfehlen, den Reifendruck mindestens einmal monatlich und vor längeren Fahrten mit einem kalibrierten Manometer zu prüfen. Der Sollwert steht auf dem Türpfosten, im Tankdeckel oder in der Bedienungsanleitung — nicht auf der Reifenflanke, wo nur der Maximaldruck angegeben ist.

Prüfen Sie den Druck bei kalten Reifen, also vor der ersten Fahrt oder nach mindestens drei Stunden Standzeit. Ein heißer Reifen zeigt einen um bis zu 0,3 bar höheren Wert, der nach dem Abkühlen wieder sinkt.

Checkliste vor der Fahrt

  1. Reifendruck aller vier Räder mit Manometer prüfen
  2. Reserverad oder Reparaturset kontrollieren
  3. Reifen auf sichtbare Schäden und ungleichmäßigen Verschleiß inspizieren
  4. Profiltiefe messen — gesetzliches Minimum: 1,6 mm
  5. Bei TPMS-Warnung umgehend Werkstatt aufsuchen

Diagnose in der Werkstatt

Leuchtet die TPMS-Kontrollleuchte dauerhaft, kann ein OBD-Diagnosegerät die genaue Fehlerursache auslesen. Häufige Ursachen sind defekte Sensoren, leere Sensorbatterien, falsche Sensor-Zuordnung nach Reifenwechsel oder undichte Ventile. Nach jedem Reifenwechsel sollten die Sensoren neu angelernt werden — ein Schritt, den viele Schnellwechselservices übersehen.

Ein funktionierendes TPMS ist HU-relevant: Leuchtet die Warnlampe bei der Hauptuntersuchung, wird ein Mangel festgestellt. Planen Sie daher rechtzeitig eine Diagnose ein, statt die Lampe zu ignorieren.

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Wir empfehlen, regelmäßige Wartungsintervalle einzuhalten und die gesetzlich vorgeschriebene Hauptuntersuchung fristgerecht durchführen zu lassen. Die Verantwortung für die Betriebssicherheit Ihres Fahrzeugs liegt beim Fahrzeughalter.